Zu reisen hat mich schon immer fasziniert, fremde Länder und fremde Sitten zu sehen, wie Odysseus:
"Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, ... Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitten gelernt hat" - Homer
So ein bisschen Ferien war mir jedoch - auch wenn ich es jedes Mal sehr genossen habe - immer etwas kurz und unvollständig, da man sich halt doch die ganze Zeit als Tourist fühlt.
Schon nach der obligatorischen Schule wollte ich eigentlich ausbrechen, aber als seriöser Schweizer macht man halt erst eine Lehre. Nach der Lehre bin ich ans Tech geflutscht, weil man halt mal Student sein will. Ich habe in Muttenz eine sehr gute Zeit verbracht und auch ein bisschen was gelernt. Nun war es aber Zeit - so dachte ich - denn als Vermesser wollte ich ja eh nicht meine Brötchen verdienen. Doch wie das Leben so spielt kriege ich 2 Job Angebote als Softi. 'Das wäre doch noch was', denke ich und unterschreibe einen Arbeitsvertrag bei der Verasoft GmbH in Olten. Schon wieder hat der Schweizer in mir gesiegt! Ich habe aber ein Hobby zum Beruf gemacht und gehe gerne jeden Tag (na ja jeden 2.) zur Arbeit. So friste ich 4 Jahre meines Lebens und, um die lange Weile zu töten, gehe ich nebenbei noch an die Softwareschule in Bern.
Nun ist es endlich so weit, ich habe mich entschlossen im Frühling 2004 mit meiner Transalp loszuziehen. Als Tu (Fränzi) dies vernahm, wollte sie natürlich sofort mitkommen. Sie bezieht ein Jahr unbezahlten Urlaub und so werden wir nun zu zweit Richtung Osten aufbrechen.
Die meisten Leute denen ich meine Pläne schilderte waren sofort begeistert von meinem Vorhaben (einige auch eifersüchtig). Der eine oder die andere zeigen jedoch nicht das geringste Verständnis für ein solches Vorhaben. Für all jene die meinen, wer so etwas macht - oder auch nur machen will - dem fehlt hier in der Schweiz etwas oder es gefällt ihm nicht, darf ich noch einmal betonen, dass ich ein sehr schönes Leben geführt habe. Ich habe meine Arbeit, mein Heim und meine Freizeit in vollen Zügen genossen und habe überhaupt nichts zu bemängeln. Es ist einfach die Sehnsucht die mich treibt. An dieser Stelle sei noch Nicolas Bouvier (Die Erfahrung der Welt) zitiert, der diese Gefühle sehr gut beschreibt:
"...Diese Lust einfach alles stehen und liegen zu lassen, kommt einem im Alter von zehn bis dreizehn Jahren, wenn man bäuchlings auf dem Teppich liegt und sich still den Atlas anschaut. ...Wenn die Sehnsucht den ersten Angriffen der nüchternen Vernunft standhält, sucht man nach gründen für sie. Und findet keine stichhaltigen. Tatsache ist, das man nicht weiss, wie man diesen Drang nennen soll. Etwas in uns wächst und löst sich aus der Vertäuung, bis man eines schönen Tages seiner selbst nicht sehr sicher aufbricht.
Eine Reise braucht keine Beweggründe. Sie beweist sehr rasch, dass sie sich selbst genug ist..."
Und so geht es also am 03. Mai 2004 los
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